2026-04-04 | Hüpft wie junge Lämmer!

(vgl. Ps 114)

Vor ein paar Wochen sagte ein Priester während einer Messe vor ein paar Hundert Pfadfindern, das stärkste Zeugnis, das wir Christen der Welt geben könnten, sei die Lebensfreude.

Ich will hier nicht darauf beharren, dass die Lebensfreude unbedingt  d a s  stärkste Zeugnis ist, aber sie ist sicherlich ein starkes Zeugnis. Mir selbst ist das bewusst geworden, als ich vergangenen Sommer an einem Festival teilnahm, bei dem sich im Wesentlichen Hunderte von jungen Leuten trafen, die alle einen christlichen Freiwilligendienst im Ausland geleistet hatten. Mein Sohn hatte mich eingeladen: In einem kleinen süditalienischen Bergdorf werde es Vorträge, Workshops und Konzerte geben. Weil ich immer gerne etwas mit meinen Kindern unternehme, sagte ich zu. Ich erwartete etwas wie Einkehrtage oder eine Art Christus-in-die-Mitte-Bistumstag in groß mit italienischem Flair.

Es kam anders.

Die Festivaltage begannen jeweils mit dem Morgenlob in der kleinen Kirche in der Dorfmitte; und dann blieb die Kirche rund um die Uhr geöffnet. Man konnte zwischen einer Morgen- und einer Abendmesse wählen, nachmittags standen Priester zum Gespräch bereit, abends wurde das Allerheiligste ausgesetzt und die Vesper gebetet. – Eigentlich nichts Besonderes also, sondern das ganz normal Katholische, das von den jungen Leuten, ihren Freunden und Verwandten und den Dorfbewohnern mit großer Selbstverständlichkeit angenommen wurde.

An den Vormittagen gab es jeweils zwei Vorträge: über ökologischen Weinbau, chinesische Landschaftsmalerei, den Dualismus des Lichts und verschiedene philosophische Themen. Nachmittags stand eine Fülle von Workshops zur  Auswahl: polnische oder orientalische Küche, syrische Tänze oder ukrainischer Chorgesang, Aquarellmalerei, Blumenkränze fertigen, Weinverkostung, Käseherstellung, Wandern, Kanufahren, usw. usf

Die Tage schlossen mit je zwei bis drei Konzerten. Darunter waren solche mit klassischer Musik, aber es gab auch ehemalige Freiwillige und Priester, die in eigens zusammengestellten kleinen Ensembles zum argentinischen, amerikanischen oder neapolitanischen Abend aufspielten, an dem Hunderte junger Leute und Dorfbewohner auf der Piazza tanzten.

Und da auf der Piazza, als alle im Rhythmus der Chacarera hüpften – alles andere als perfekt, aber jauchzend vor Freude – da hat mich auch eine riesige Freudenwelle überrollt, und ich habe verstanden, worum es den Organisatoren des Festivals geht: eine Ahnung davon geben, wie groß, schön, wunderbar und vielschichtig Gottes Schöpfung ist; vorführen, wie froh es macht, Gottes Gaben und die gottgegebene schöpferische Kraft des Menschen gemeinsam zu nutzen, zu genießen und die Freude daran in vollen Zügen zu leben; und zwischendurch immer wieder bei Gott einkehren und ihm für seine große Güte danken.

Nun höre ich geradezu, wie einige von Ihnen vielleicht gerade denken: „Tjaha, wenn wir noch so jung wären …!“  Aber wenn wir mal ehrlich sind: Gottes Gaben sind wahrscheinlich mit unserem zunehmenden Alter nicht schlechter geworden, sondern wir skeptischer.

Ich habe kein Patentrezept für Lebensfreude, einige Zutaten scheinen aber, wenn ich das Festival und die anfangs erwähnte Pfadfinderei betrachte, notwendig zu sein: Gemeinschaft und Aktivität in jedem Falle; die Natur und natürliche Dinge oder die Kunst; der maßvolle Genuss der „guten Dinge des Lebens“; die Unkonventionalität, sich auch einmal lauthals zu freuen; die regelmäßige Hinwendung zu Gott, den wir unsere Dankbarkeit und Lebensfreude spüren lassen. Denn Er verdient unsere Freude, weil sie unser natürlicher, intuitiver Lobpreis ist.

Gerade jetzt zu Ostern, finde ich, lohnt es sich besonders, uns wieder klarzumachen, wie sehr Gott unseren Dank und unsere Freude verdient: Jesus Christus hat uns durch seinen Kreuzestod mit Gott versöhnt, Adams und Evas Schuld, die ihnen die Verbannung aus dem Paradies eingebracht hat, ist getilgt, wir kehren als Gottes Kinder zu Ihm zurück. Paradiesische Zustände! Und à propos Paradies: Laut der Bibel war Adams erster voller Lebenstag der siebte Schöpfungstag, an dem Gott ruhte, der Sabbat. Adam wurde in Gottes Fülle hinein erschaffen, und seine allererste Lebensaufgabe war das Ruhen in Gottes Fülle. Wir dürfen wohl annehmen, dass wir Adams Bestimmung auch als unsere Bestimmung verstehen sollen. Genießen wir also Gottes Fülle und danken wir ihm dafür! Denn:

„Nicht die Glücklichen sind dankbar. Es sind die Dankbaren, die glücklich sind.“
(G. H. Morrison, schottischer Pfarrer, 1866-1928)

– und immer glücklicher werden, möchte ich hinzufügen, weil der Dank uns immer wieder zu Bewusstsein bringt, dass wir ständig beschenkt werden.

Das Morrison-Zitat findet sich auf vielen Internetseiten, die küchenpsychologische Hilfe und positives Denken versprechen. Ohne Bezug auf Gott versteht sich. Aber wie soll man denn dankbar sein, wenn man nicht weiß wem? Dem Zufall, dem Universum? Ich kann mir nicht vorstellen, dass das funktioniert. Und insofern ist die Lebensfreude, die sich aus der Dankbarkeit für Gottes Gaben speist, eben wirklich ein besonderes Zeugnis, das die Christen der Welt bieten können.

Lassen Sie uns gemeinsam dafür beten, dass Gott unser Osterfest segnet und wir in der Freude wachsen!
Frohe Ostern Ihnen allen und Ihren Lieben!

 wünscht Ihnen das Team von Christus in die Mitte

P.S. Und wenn Sie ein Rezept ausprobiert haben, das die Lebensfreude in Ihrer Pfarrei, Gemeinde oder Gemeinschaft geweckt hat, dann schicken Sie uns doch einmal die Zutatenliste! Berichten Sie uns von Ihren Erfahrungen!

P.P.S. Unter Festival Letino erfahren Sie mehr über das Freiwilligen-Festival.

Foto: Liam Reed via unsplash

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